Pais Sport und die Schneesportschule Rorschach verbindet seit Jahren eine tolle Partnerschaft. Eine, welche vom Geben und ­Nehmen lebt und aus welcher in den letzten Jahren Freundschaften entstanden sind. Aber was – und wer- steckt hinter Schneesport Rorschach? Ich wollte der über 80-jährigen Geschichte nachgehen. ​

Wo soll ich diesen Bericht nur beginnen? So viel Historie steckt dahinter.
Eigentlich ist es ja schon seltsam, dass in Rorschach, einer idyllischen Hafenstadt, ausgerechnet der Schneesport eine derart lange Geschichte hat. Aber wenn meine Grossmutter in der Vergangenheit schwelgt, erzählt sie mir immer wieder die Geschichte vom Skifahren am Fünfländerblick. Zu Fuss ging es hoch und mit den Skiern runter zum Hafen. Heute sind diese Abfahrten zwar noch im Programm, aber wegen des Schneemangels äusserst rar.

Aber alles der Reihe nach. 1941 war die Geburtsstunde einer Erfolgsgeschichte, die auch noch im Jahr 2021 Bestand hat. Damals wie heute agierte der Verein als Untersektion der Naturfreunde Sektion Rorschach. Trotz fehlender Bilder aus dieser Epoche kann ich mir gut vorstellen, wie Skifahren in der Zeit des zweiten Weltkrieges funktionierte: Lange Holzski, Skihosen- und pullover aus Baumwolle und keine Skilifte. Kaum vergleichbar mit der heutigen Zeit. Mittlerweile geht die Schneesportschule Rorschach in die 81. Saison.

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Nach dem ich auf der Suche nach Legenden aus den Dekaden 1940/1950 erfolglos war, versuchte ich es mit den 1960er Jahren. Wer könnte mir da wohl am ehesten Auskunft geben?

Beim Durchschauen der Mitgliederliste stiess ich auf Walti. Über 60 Jahre Vereinserfahrung hat er auf dem Buckel. Mittlerweile ist er ein passives Mitglied und nimmt an der jährlichen Abschlusstour teil. Also nichts wie los. Zuerst wollte ich wissen, welches Material früher angewendet wurde. «Holzski in einer Länge von 210 cm und dazu eine Kandaharbindung ohne Fersenautomaten», erklärt der Goldacher. Unvorstellbar, wenn ich denke, dass ich heute im Kinderland mit den 165 cm Ski manchmal an meine Grenzen stosse.

Auch andere Vergleiche des 83-Jährigen brachten mich in Verlegenheit. So waren damals 40 Skilehrer mit 400 Gästen beschäftigt. Heute unterrichten wir mit der gleichen Anzahl Lehrpersonen etwa 250 Gäste. Bedenkt man, dass zu Waltis Aktivzeiten noch keine präparierten Pisten, geschweige denn moderne Liftanlagen vorhanden waren, muss ich den Hut ziehen.

«Ich weiss noch, dass wir zu Fuss vom Bahnhof Heiden zum Schwalmenhang gewandert sind –
mit 400 Gästen im Schlepptau», …

Aber etwas ist heute doch noch gleich. «Schon damals mussten sich die Skilehrer in internen Kaderkursen beweisen, sogar Noten wurden verteilt», verriet mir Walti. Noten gibt es zwar nicht mehr, aber auch heute wird viel Technik und Theorie gebüffelt. Der Goldacher ist sich aber sicher: «Früher war ein Skilehrer noch ein Statussymbol». Die Zeiten und vor allem der Schneesport haben sich geändert. In meinem eigens kreierten Zeitstrahl machte ich Halt in den 1980er Jahren. Auf die volkfestähnlichen Kurstage am Kaien folgte der grosse Schritt nach Churwalden. Die 80er Jahre waren gespickt von Highlights. Laut Hörensagen waren es auch die «wilden Jahre» der Schneesportschule.

Dann nahm ich mit Käri Kontakt auf. Eine weitere Legende. Wir trafen uns bei einem Bier am See. Als ich ausholen wollte, intervenierte er sogleich: «Professionalität, Kreativität und das tolle Vereinsleben waren der Schlüssel zum Erfolg.» Also nichts von wilden Zeiten? «Wild waren nur unsere Overall-Anzüge», lachte der 65-Jährige. Erfolgreich war man alleweil, aber waren es auch die erfolgreichsten Jahre?

«An nationalen Events sorgten wir für Furore, die eigens kreierte Skichilbi wurde zum Gassenfeger und auf dem Sammelplatz tummelten sich Winter für Winter 300 bis 400 Gäste. Die goldigen Zeiten waren aber trotzdem die 1990er Jahre.»

«Beim Carvingski waren wir zu Beginn überfordert. Niemand wusste, wie diese Geräte wirklich funktionierten».

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Was machte den Unterschied? Wie ich als 1990er Jahrgang weiss, erlebte der Schneesport in diesen Jahren eine für alle einschneidende Revolution. Auch in der Schneesportschule war dies der Fall. Carvingski, Snowboard und Monoski hiessen die neuen Geräte. Beim Carvingski hatte man noch seine liebe Mühe, beim Snowboard war man dann einiges besser vorbereitet und die Schneesportschule Rorschach war die erste Snowboardschule im Flachland. Darauf ist man bis heute stolz. Ich merkte bei beiden Vereinsmitgliedern, dass sich hinter diesem Verein viel mehr verbirgt als nur der Schneesport. Es geht um Emotionen, Leidenschaft und Freundschaften. Ich hätte noch stundenlang zuhören und geniessen können.

Auf dem Himweg habe ich einige Dinge Revue passieren lassen. Mein Fazit: Früher war zwar vieles anders – und auch gut. Als Verein machen wir aber weiterhin vieles richtig. Wochenende für Wochenende vermitteln wir im Januar hunderten Menschen im Flachland den Spass am Schneesport. Geblieben ist auch das aktive Vereinsleben. Aus der Skichilbi wurde die grosse Après Snow Party, die legendäre Abschlusstour gibt es immer noch und auch nationale Events werden wieder vermehrt besucht. Wer weiss …vielleicht werde ich in 40 Jahren gefragt, wie es früher zu und her ging. Wünschen würde ich es mir. Denn «Rorschach und der Schneesport» ist eine «never ending story».

 

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Fabio Stuppia

Mit ihm kümmert sich ein Neuling in der Sportbranche um die marketingtechnischen Angelegenheiten. Sein Engagement setzt er auch für sämtliche gestalterischen Anliegen der ganzen Pais-Crew ein. Nebst snowboarden im Winter und wandern in der wärmeren Jahreszeit, verbringt er seine Freizeit am liebsten auf zwei Rädern. Dabei wird nicht nur sein Bike beansprucht: Als Hobby-Mechaniker kommen auch seine Oldtimer-Vespas nicht zu kurz.

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