Pais Sport
Das Sportfachgeschäft in St.Gallen für Ski, Velo, Wandern und Laufen. Bodenständig und authentisch. So beraten wir seit 2005.

"Tätowieren ist Leidenschaft und mein Traumberuf zugleich"

Text: Denise Girardet

Pele Brunner, stadtbekannt und Inhaber vom Tattoo- und Piercingstudio skin deep art, ist seit 20 Jahren erfolgreich im Geschäft. Und dies mit Leidenschaft. Seine Künste gehören zu den Besten und stets gibt er sein Wissen an seine "Rookies" weiter. Doch früher hatte er eigentlich eine ganz andere Berufsbestimmung.

Pele war in einer Generation aufgewachsen, in der Kinder noch in die Fussstapfen ihrer Eltern traten. Vater Brunner war in seinem Geschäft auf Gravuren spezialisiert. So lernte der Sohn in einer vierjährigen Lehre Graveur und absolvierte später noch den Lehrgang zum Technischen Kaufmann. Heute arbeitet aber fast niemand mehr als Graveur. Durch die Digitalisierung und Industrialisierung ist der Beruf ausgestorben. Und wer trotzdem mal etwas veredeln möchte, der kann dies zuhause bequem mit dem Drucker machen.  

Die Leidenschaft entfacht

Als ältester Sohn war es Pele wichtig, draussen zu sein und seine wilden Zeiten erlebte er mit Velo, Töff oder in der Pfadi. Gern gezeichnet hatte er immer schon. Er gehörte zu den Besten in der Schönau und bei der Kunstgewerbeschule in Zürich. Als er 27 war, gab es eine berufliche Wende. Pele entdeckte seine Faszination für das Tätowieren. Eine schlummernde Leidenschaft, die endlich ent- facht wurde. Was er bis dahin täglich gelernt hatte, konnte er nun in seinem Job ausüben. Er zeichnete und gab so anfänglich unbedeutenden Linien eine Form. Die Kunden waren begeistert, denn sie spürten, dass Pele bei jedem Werk mit seinem Herzen dabei war. Und noch heute ist das so. Sich mit dem Kunden auseinandersetzen, der Kreativprozess, das Umsetzen – so ist er nicht nur Teil des Prozesses, sondern begleitet diesen von A bis Z. Und wenn Pele sein Werk am Ende sieht, freut er sich genauso wie der Kunde. Für Pele ist Tätowieren Leidenschaft und Traumberuf zugleich.

Der Schritt in die Selbstständigkeit

Seit 21 Jahren ist Pele Herr über sich selbst und führt skin deep art mit acht Mitarbeitern. Darauf ist er stolz. Könnte er zwischen der klassischen Büro- arbeit als Geschäftsleiter oder der kreativen Arbeit als Tätowierer wählen, läge die Antwort klar auf der Hand: Ohne Nadel und Farbe geht es nicht. Natürlich braucht es die Büroarbeit, aber seine Augen leuchten erst, wenn er sein Werk auf einem Körper verewigt. Dies ist auch Peles Antrieb und seine Motivation. So holt er sich seine Ideen und so hat er Energie, den doch eher trockenen Büroalltag zu bewältigen. 2006 absolvierte er eine Ausbildung in Neuro-Linguistischem Programmieren (NLP). Diese hilft ihm dabei zu erkennen, was seine Kunden wünschen. NLP ist weder etwas Technisches noch kommt es aus der Informatik. Pele lernte Personen zu lesen und ihre Wortwahl, Körperhaltung  sowie  Sprachmuster zu deuten. Wo schaut ein Kunde hin? Mit welchen Worten kann ich ihn am besten erreichen? Ein «Verkäufer» muss auf allen Ebenen kommunizieren können. Und das kann er. Hat ihn die Ausbildung verändert? Früher bestimmte oft «Aktionitis» sein Alltag, heute überlegt und reflektiert er mehr. Seine Entscheidungsfindung ist aber immer noch die gleiche: Der Bauch sagt, was gut ist. Deshalb zweifelt er wohl auch Entscheidungen nur vorher an, nie nachher. Die Entscheidung, sich als Tätowierer selbstständig zu machen? Die beste, die Pele je getroffen hat.

Die Lernenden müssen eines können: Gas geben

Steht als Geschäftsleiter immer der eigene Erfolg im Vordergrund? Früher war dies so, heute findet er es schöner, wenn er junge Leute zum Erfolg führen kann. Es verwundert deshalb nicht, dass man bei ihm eine Tätowier-Lehre absolvieren kann. In den Jahren hat er eine eigene Ausbildungsbibel erstellt. Pele erwartet aber sehr viel von seinen «Rookies» – wie er seine Lernende selber nennt. Sie müssen schon Vorwissen mitbringen, zeichnen können und eines vor allem: Gas geben. Denn viele wollen zu den Besten gehören, unterschätzen aber den Aufwand. Nichts ist geschenkt. Eine sehr emotionale Zeit für Pele. Mal ist er unzufrieden mit ihnen, mal machen sie ihn so stolz, dass er jauchzen könnte. Genauso leidenschaftlich wie er tätowiert, teilt er seine langjährige Erfahrung. Seine «Rookies» müssen sich der Verantwortung bewusst sein, die sie haben. Der Meister muss sich aber auch mit ihnen auseinandersetzen, denn die Jugendlichen von heute sind eine andere Generation, als er es war und kennt. Alles muss digital sein, schnell gehen und stetig wird kommuniziert. So sind die mobilen Geräte und die sozialen Medien gängige Arbeitsinstrumente für ihn geworden. Auf Youtube gibt es beispielsweise unzählige Videos, die seinen «Rookies» zeigen wie man zeichnet. So hat es Pele über die Jahre geschafft, die Jungen zu verstehen und auf sie einzugehen, da- mit sie motiviert den Tag beginnen.  

Tätowieren ist Vertrauenssache

Unzählige  Aufrufe  hat  sein  Video  mit  dem  Titel «Tätowieren ist Vertrauenssache. Piercen leider auch.» Gerade weil es vom Verband keine offizielle Ausbildung für diesen Beruf gibt, tummeln sich immer noch viele «böse» Buben in diesem Geschäft. Die Verlockung für das schnelle Geld und die  coole Arbeit ist zu gross. Für Pele ist es selbstverständlich, dass er seine 21-jährige Erfahrung an Generationen weitergibt und sein Wissen teilt. Er nimmt seine Aufgabe sehr ernst. Denn Tätowieren ist nicht ein bisschen zeichnen. Es gehört Verantwortung und ein enormes Wissen zu Kompositionen, Anatomie, Hygiene und Pflege dazu. Jeder Tätowierer weiss mehr als sein Kunde und übernimmt die Verantwortung, wie er seinen «Rookies» lernt.  

Der Mensch ist ein Bewegungsapparat               

Seinen jungen wilden Zeiten ist Pele treu geblieben. Noch heute ist er am liebsten auf dem Enduro Bike unterwegs oder fährt Rallye. Wenn er mehrere Stunden tätowiert hat, braucht er einen Ausgleich. Wenn er nicht auf dem Bike hockt, fährt er auch leidenschaftlich gerne Ski oder ist im Fitness-Studio anzutreffen. Kein Wunder sind die Teamevents mit seinen Mitarbeitern auch eher actiongeladen. Mit dem Gummiboot die Reuss runter, Höhlenbegehung im Toggenburg oder Skifahren in Arosa. Der Mensch ist ein Bewegungsapparat. Das lebt er auch seiner 11-jährigen Tochter vor. Mal verbringen sie den Sonntagmorgen  gemeinsam auf der Finnenbahn. Und an gemeinsamen Skitagen sind die beiden oft im ersten Bähnli anzutreffen. So hält sich Pele fit und jung, denn in diesem Business sollte man nicht überaltern. Die Frage nach seinem schönsten Werk beantwortet er ganz cool: «Ich kann mich für vieles begeistern, denn jedes Werk ist mein Werk.