Pais Sport
Das Sportfachgeschäft in St.Gallen für Ski, Velo, Wandern und Laufen. Bodenständig und authentisch. So beraten wir seit 2005.

Auf Einkaufstour mit Isabelle und Tamara

Text: Denise Girardet

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wer bei uns eigentlich die ganzen Textilien auswählt? Wer entscheidet, welches Modell in welcher Farbe eingekauft wird? Was steckt hinter dem ganzen Einkaufsprozess? Das wollte ich genau wissen und habe festgestellt: Ich bin froh, dass die Kleider bereits am Bügel hängen, wenn ich sie auswähle.

7.00 Uhr. Es ist kalt und neblig draussen. Eigentlich viel zu früh für Isabelle und Tamara. Ihr Arbeitstag beginnt normalerweise um 9.00 Uhr. Aber heute werden die beiden den Tag nicht wie üblich im Geschäft verbringen. Wir machen uns auf den Weg nach Glattbrugg. Die Strassen Richtung Zürich sind überlastet und die Anreise dauert doppelt so lang wie geplant. Aber für mich ist dies ein sehr spezieller Tag und ich nehme die Umtriebe gerne in Kauf. Ich darf mit auf Einkaufstour für die Winterkollektion 2016 / 2017. Das tönt verlockend, lässig und entspannend? Das dachte ich jedenfalls auch, als mich das Team fragte, ob ich mitkommen möchte. Am Ende des Tages musste ich meine Meinung diesbezüglich etwas ändern. Aber von Anfang an.

Vorbereitung und erster Stopp bei Roxy

Mich nimmt vor allem Wunder, wie sich Isabelle und Tamara jeweils auf die Einkaufstouren   vorbereiten. «Wir prüfen die bisherigen Verkäufe der Marken. Was lief gut? Welche Grössen wurden verkauft? Mussten wir nachbestellen? Dies gibt uns allerdings nur bedingt mehr Aufschluss, da wir ja jetzt im Dezember noch mitten in der aktuellen Saison sind und nicht bereits ein Fazit ziehen können», so Isabelle. Eine Liste mit den letztjährigen Bestellungen haben sie jedenfalls mit dabei. Den Überblick zu behalten ist nicht einfach. Wenn man jetzt auf Einkaufstour bei zwei Marken geht, mag dies vielleicht ja noch einfach klingen. Aber bei rund 30 Einkaufstouren in einem ganzen Jahr (!), finde ich das eine unglaubliche Leistung. Von heute auf Morgen lernt man dieses Gefühl nicht einfach zu entwickeln. 

Unseren ersten Halt machten wir bei Chris Tschudy von Roxy. Isabelle und Tamara erzählten mir, dass in einem Showroom die ganze Kollektion für den nächsten Winter aufgehängt sei. Als ich den Raum betrat, kam ich mir vor wie in einem normalen Roxy-Laden. Nur dass es eben die Pullis, Skijacken und Hosen nicht in mehrfacher Ausführung gab, sondern immer nur je ein Modell.

  

Immer an die Kunden denken, die eigene Meinung kommt erst an zweiter Stelle.

Isabelle und Tamara beginnen die Textilien zu begutachten. Nehmen spontan etwas heraus, schauen es an, legen es gleich zurück oder hängen etwas an den Kleiderständer. Lassen sich Shirts mit Pullis kombinieren, wie ist der Schnitt, das Material? Gibt es ein Accessoire dazu? Nicht einfacher wird es bei der Skibekleidung. Da muss noch mehr zusammenpassen. Man kann nicht nur eine Skihose zu einer Skijacke einkaufen. Immer wieder taucht die Frage auf «Wer zieht das an?». Sich in solchen Momenten in den Kun- den hineinzuversetzen ist eine sehr schwierige Aufgabe. Denn wir haben ja nicht «den» Kunden. Je nach Marke gibt es unterschiedliche Ansprüche. Der Preis spielt eine Rolle. Chris von Roxy gibt dazwischen auch immer wieder Erklärungen ab. Bei dieser Jacke ändert noch die Farbe des Reisverschlusses, die Ärmel werden kürzer, die Jacke gibt es auch noch in jener Farbe. Einfach unglaublich, diese Informationsflut, die da auf mich einprasselt. Ich bin wirklich etwas erschlagen. Ich darf zum Glück einfach meinen Senf dazugeben. Aber mein Feedback ist eher meine persönliche Meinung. Mich in den Kunden hinein  zu  versetzen, finde ich extrem schwierig. Die eigene Meinung ist natürlich auch wichtig, aber eben nicht nur. Irgendwann liegen diverse Jacken auf dem Bo- den und es wird kombiniert. Sind schliesslich alle Textilien ausgewählt, geht es an die eigentliche Bestellung. Denn jedes Kleidungsstück muss nun auch in verschiedenen Grössen bestellt werden. Von XS bis L, je 2-2-3-1. Das höre ich oft. Isabelle und Tamara müssen also nicht nur für die ganze Kollektion aus- wählen, sondern sie auch noch gleich in den entsprechenden Grössen bestellen.

Nur eine kurze Pause

Die Mittagspause ist eher kurz. Schnell etwas essen und währenddessen über die Erwartungen an den nächsten Lieferanten sprechen. Tamara und Isabelle meinen einstimmig, dass ihre Neugier sie auch antreibt. Wenn man sich in dieser Branche befindet, ist es natürlich sehr spannend, jedes Jahr die Entwicklungen der Hersteller zu sehen. Für jemanden wie mich sind die Änderungen und Unterschiede zur vorherigen Kollektion jedoch kaum erkennbar.

Dank Reto von Peak sind es sechs effiziente Stunden

Der Nachmittag wird noch intensiver als der Morgen. Mit Reto Lendenmann von Peak Performance müssen wir eine Damen-, Herren- und Kinderkollektion auswählen. Ski- und Freizeitmode. Die Aufgabe von Reto hat es ebenfalls in sich. Er macht einen fliegenden Wechsel vom vorherigen Kunden zu uns. Eine Banane und ein Kaffee als Stärkung müssen reichen. Die Auswahl bei Peak wird zur richtigen Herausforderung. Denn hier gibt es nicht eine Skijacke, sondern verschiedene Modelle. Und genau, auch hier muss man sich wieder entscheiden. Heli, Surpreme, Blacklight, wattiert / unwattiert, uni oder mehrere Farben. Retos Rolle bei diesen Entscheidungen ist nicht ganz unwesentlich. Er betreut über 20 Kunden und hat dadurch sehr viel Erfahrung. Und natürlich ist er auch bei den Sales- meetings in Schweden vor Ort. Die vergangene und künftige Kollektion kennt er wie seine Westentasche. Aber das Wichtigste ist eigentlich nicht einmal das, sondern dass er seine jeweiligen Kunden und deren Bedürfnisse genau kennt. Die Kunden in einem Sportfachgeschäft in St.Gallen sind nicht mit jenen in Graubünden zu vergleichen. Auch muss Reto wissen, wie die Shops aussehen. So kann er Tamara und Isabelle  optimal  beraten.  Denn  anders  als  wahrscheinlich vermutet, geht es ihm nicht darum, die teuersten Modelle zu verkaufen. Nein, er möchte, dass wir jene Kollektion auswählen, die zu uns passt und die dem entspricht, was wir verkörpern. Mitarbeiter wie Reto sind übrigens auch diejenigen, die bei den Sportfachgeschäftern vor Ort vorbeikommen und Produktschulungen durchführen. Sechs Stunden später ist die Kollektion (fast komplett) ausgewählt, die Bestellung aufgegeben. Fast komplett, weil die Textilien für die Kids nochmals einen Extratermin erfordern. Nicht immer sind ein paar Stunden ausreichend, um alles bewältigen zu können.

Zwei Marken eingekauft, es fehlen noch gut 12

Dank des Bestelltools auf den Tablets kann Reto die ganze Bestellung direkt dem Kunden zustellen. Inklusive Fotos. Denn schliesslich müssen auch die Kollegen über die neue Kollektion Bescheid wissen. Wir sitzen wieder im Auto auf dem Weg zurück nach St. Gallen. Und wieder stehen wir im Stau. Wir plaudern nicht mehr so angeregt, alle sind müde. Nach unzähligen Entscheidungen (ich habe aufgehört zu zählen), haben wir heute gerade einmal die Kollektion 2016 / 2017 zweier Marken ausgewählt. Über zwölf weitere Einkaufstouren warten auf Tamara und Isabelle. Und was ist das Spannendste für die beiden? «Zu sehen, wie die Kollektion beim Kunden ankommt», so Isabelle. Und Tamara schmunzelt «manchmal sind wir von etwas dermassen überzeugt, dass es ein Hit wird und dann wird es alles andere als das.» Aber das gehört dazu und solange es nicht die Regel ist, ist das auch nicht tragisch.

… dann doch lieber ab Kleiderständer einkaufen

Wenn Sie sich das nächste Mal bei uns beraten lassen, wissen Sie nun, wer für die Kollektions-auswahl verantwortlich ist und wie gross der Aufwand ist. Ich für meinen Teil bin eigentlich ganz froh, dass ich einfach in das Geschäft gehen kann und die Kleider bereits auf dem Kleiderständer sind. Die Entscheidung oder die Qual der Wahl, welche Skijacke oder welchen Pulli ich kaufen soll, reicht mir vollkommen.