Pais Sport
Das Sportfachgeschäft in St.Gallen für Ski, Velo, Wandern und Laufen. Bodenständig und authentisch. So beraten wir seit 2005.

«Farben inspirieren mich. Und meine Schüler.»

Text: Denise Girardet

Judith Wüst, Schneiderin bei Pais Sport

Sie hat einen Beruf erlernt, den es heute nicht mehr gibt. Sie ist mit dem Rattern der Nähmaschine aufgewachsen und stellt sich den Herausforderungen, die Sportbekleidung heute mit sich bringt. Judith Wüst, Appenzellerin mit mehr als nur einem Job.

Früher war alles anders. Judith Wüst hat einen Beruf erlernt, den man heute so nicht mehr lernen kann. Sie hat das vierjährige Seminar für Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin absolviert. Heute kann man gerade noch einzelne Module besuchen. Die fundierte Ausbildung, die Judith vor Jahren genoss, gibt es heute nicht mehr. Aber wie gesagt, früher war alles anders. Judith wuchs quasi mit der Nähmaschine auf. Neben dem Mittag- und Abendessen stand oft auch die Nähmaschine auf dem Tisch. Ihr Talent also nur geerbt? Ihr Weg vorbestimmt? Ein gewisses Gespür wurde Judith bestimmt in die Wiege gelegt. Aber das, was sich ihre Familie vor Generationen erarbeitet hat, lässt sich mit ihrem aktuellen Alltag nicht mehr vergleichen.  

Eigens kreierte Taschen

Nach einigen Jahren im Beruf verabschiedete sich Judith von der Arbeitswelt. Sie wurde Mama, nähte und strickte viel. Und wie es so ist im schönen Ap- penzellerland: Man kennt sich, hat gute Beziehungen zu den Nachbarn … So kam es, dass Judith mit ihrer Freundin und Nachbarin eigens kreierte und genähte Blachentaschen anfertigte. Onlineshop? Werbung? Wohl kaum. Die Taschen wurden von Mund-zu-Mund bekanntgemacht. Die Freundinnen nähten gemeinsam auf Bestellung und nach Wunsch der Kunden. Stoffeinkauf, Zuschnitt der Materialien und Nähabende – dies war oft Alltag. Pro Woche wurde je eine Tasche erstellt. Eine spannende Zeit für die zwei Frauen.  

Der Schritt zurück in eine veränderte Berufswelt

Und plötzlich nähte Judith auch Kleider für die Festspiele in Appenzell. So fing alles an. Ihre Fähigkeiten waren deshalb bei Sport Baumann in Appenzell schnell bekannt und reichten bis nach St. Gallen. Kurz nachdem Pais Sport gegründet wurde, engagierte Patrik Sparr sie für die Änderungsarbeiten jeglicher Sport- und Freizeitmode. Ein Jahr später wurde sie von der Primarschule Steinegg angefragt, ob sie wieder in den Schulunterricht einsteigen möchte. Früher war ja alles anders. Heute unterrichtet sie neun Lektionen «Textiles Werken», managt den Haushalt und nimmt Änderungsarbeiten an Kleidern von zwei Sportfachgeschäften vor. Zwei Jobs, die sich ähnlich sind und doch unterschiedlicher nicht sein könnten. Judith schätzt die Abwechslung und ist von der Ergänzung überzeugt. Für die Schule ist es von Vorteil, über gute Nähkenntnisse zu verfügen. Gleichzeitig ist die Arbeit an der Nähmaschine ein willkommener Ausgleich zur Arbeit mit den Schülern und inspiriert sie. Denn innovativ und ja, manchmal muss man durchaus auch erfinderisch sein. Was früher ein einfacher Fleece mit weitem und geradlinigem Schnitt war, ist heute ein aufwendig designter, enggeschnittener, farbiger, mit kreativ aufwendigen Verzierungen funktionaler Fleece. Und gerade die Farben haben es Judith angetan. Das gefällt ihr an den heutigen Ski- und Sportsachen besonders. Die Vielfalt von Stoffen und die stetige Änderung von Schnitten, Farben und Mustern macht ihre Arbeit spannend, kreativ und inspirierend. Auch im Unterricht lässt sie deshalb ihren Schülern Freiraum, um die eigene Kreativität einzubringen. So kam es, dass die geplante Sporttasche für einen Schüler grösser wurde (damit alle seine Sportsachen darin Platz finden), für andere brauchte es eine zusätzliche Innentasche für Wertsachen oder farbige Reissverschlüsse. Die Tasche kam bei den Kids und den Eltern gleichermassen gut an. Und die Herausforderung der Planung nimmt Judith jedes Jahr neu an. Mit den Schülern immer wieder Aktuelles auszuprobieren macht Spass. Abwechslung ist gefragt. Wie bei ihren Änderungsarbeiten. Im Sommer sind es vor allem Anpassungen von Jeans und Wanderkleidern, im Winter Skibekleidung. Mal muss ein Bund enger gemacht werden, mal etwas erweitert oder gekürzt werden. Judith bevorzugt die Arbeit mit Sportstoffen. Und mit einem Schmunzeln meint sie, dass sie sich im Frühling jeweils wieder freue, wenn die Ski- von den Wanderhosen abgelöst werden.

Früher war alles anders, oder?

Ja, früher war alles anders. Gerade Berufe wie Handarbeitslehrerin oder Schneiderin haben sich enorm geändert. Mit den hochwertigen Produkten in der Sportbranche sind auch die Anforderungen gestiegen. Wenn für einen Kunden die Änderung kaum sichtbar ist, hat Judith ihre Arbeit richtig gut gemacht. Was für sie aber damals wie heute noch Gültigkeit hat: das Arbeiten mit Kopf, Herz und Händen bedeutet Freude, Kunst und Leidenschaft zugleich.

Angebot Schneiderservice

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